Italienisches Cello, Mantua, um 1820 – zugeschrieben von Eric Blot
Dieses charaktervolle italienische Cello wurde von Eric Blot der Schule von Mantua um 1820 zugeschrieben. Nach meiner persönlichen Einschätzung könnte das Instrument jedoch deutlich früher entstanden sein, möglicherweise bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Auch wenn eine dendrochronologische Untersuchung kein exaktes Herstellungsjahr bestimmen kann, sind ihre Ergebnisse mit einer früheren Entstehungszeit durchaus vereinbar und bestätigen eindrucksvoll die italienische Herkunft des verwendeten Deckenholzes.
Das Cello besitzt ein vergleichsweise zierliches und elegant wirkendes Modell. Die schmalen Mittelbügel, die weich gerundeten Oberbügel und der harmonisch auslaufende Unterbug verleihen dem Instrument eine besonders ansprechende Silhouette. Die lang gezogenen, etwas eigenwillig geschnittenen F-Löcher unterstreichen seinen unverwechselbaren Charakter. Auch die Arbeit an Schnecke und Korpus ist nicht von übertriebener Perfektion geprägt, sondern zeigt eine einfache, direkte und sehr persönliche handwerkliche Auffassung, wie man sie bei alten italienischen Instrumenten immer wieder findet.
Besonders eindrucksvoll ist der tiefrote bis rotbraune Lack, der über einem warmen goldenen Grund liegt. Durch die über Jahrhunderte entstandene Patina, die zahlreichen natürlichen Gebrauchsspuren und die unterschiedlich stark erhaltenen Lackpartien besitzt das Cello eine außergewöhnlich lebendige Oberfläche. Der zweiteilige Boden zeigt unter dem dunklen, transparenten Lack eine feine, eher zurückhaltende Struktur. Auch die Zargen tragen den intensiven rötlichen Lack und fügen sich harmonisch in das geschlossene Erscheinungsbild ein. Die kraftvoll gearbeitete Schnecke mit ihrer weit geöffneten Volute und der ebenfalls stark patinierten Oberfläche rundet das historische Gesamtbild ab.
Die dendrochronologische Untersuchung erbrachte äußerst interessante Ergebnisse. Die jüngsten klar erkennbaren Jahresringe wurden auf der Bassseite mit 1692 und auf der Diskantseite mit 1699 datiert; unmittelbar an der Fuge könnten noch ein oder zwei weitere, nicht sicher erkennbare Ringe vorhanden sein. Beide Deckenhälften stammen nach dem Ergebnis der Untersuchung aus demselben Baum.
Besonders bemerkenswert sind die zahlreichen deutlichen Übereinstimmungen mit dem Deckenholz bedeutender italienischer Instrumente des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Zu den besten Vergleichstreffern gehören Instrumente von beziehungsweise zugeschrieben an Pietro Giacomo und Giovanni Battista Rogeri, Andrea Guarneri, Giuseppe Guarneri filius Andreae, Guarneri del Gesù, Antonio Stradivari, Carlo Bergonzi, Giovanni Battista Guadagnini, Matteo Goffriller, Domenico Montagnana, Sanctus Serafin, Carlo Tononi, Alessandro und Nicola Gagliano, Michele Deconet, David Tecchler und weitere bedeutende norditalienische Meister. Solche Übereinstimmungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass das Holz unmittelbar aus demselben Baum wie bei diesen Instrumenten stammt. Sie zeigen jedoch eine außerordentlich enge dendrochronologische Beziehung und weisen sehr überzeugend auf den gleichen norditalienisch-alpinen Holz- und Handelsraum hin.
Klanglich ist dieses Cello außergewöhnlich. Trotz seiner eher einfachen und wenig akademischen Bauweise besitzt es genügend Kraft und Volumen, um sich mühelos im Raum zu entfalten. Der Bass ist voll, tragfähig und präsent, ohne schwer oder unbeweglich zu wirken. Besonders faszinierend sind jedoch die reichen, leuchtenden Obertöne und die unverwechselbare Klangfarbe, wie man sie nur bei sehr alten italienischen Instrumenten findet.
Der Ton besitzt eine natürliche Wärme, Tiefe und einen schwer in Worte zu fassenden Schmelz. Er wirkt zugleich dunkel grundiert und strahlend, farbenreich und unmittelbar. Das Instrument reagiert lebendig auf unterschiedliche Bogengeschwindigkeiten und Klangvorstellungen und vermittelt dabei stets den Eindruck eines über viele Generationen gereiften Klangkörpers. Gerade der Gegensatz zwischen der vergleichsweise schlichten handwerklichen Ausführung und dem umwerfenden klanglichen Ergebnis macht den besonderen Reiz dieses Cellos aus.
Italienische Celli dieses Alters, die noch in einem vergleichsweise bezahlbaren Preisbereich liegen und zugleich ein solches klangliches Niveau bieten, sind heute ausgesprochen schwer zu finden. Dieses Instrument stellt daher eine seltene Gelegenheit dar, ein authentisches, charaktervolles italienisches Cello mit faszinierender dendrochronologischer Dokumentation und einem wirklich überzeugenden Klang zu erwerben.
Ein seltenes historisches Instrument mit großer Persönlichkeit, faszinierender dendrochronologischer Dokumentation und einem Klang, der die unverwechselbare Wärme und Farbigkeit alter italienischer Celli in besonderer Weise verkörpert.