Über dieses Instrument
Diese besonders schöne Bratsche von Henry Lockey Hill hat sich in einem ausgezeichneten, nahezu rissfreien Zustand erhalten. Bei einem Instrument aus der Zeit um 1810–1820 ist das besonders erfreulich. Dazu kommen eine sehr angenehme Größe und ein großer, kraftvoller Klang – eine Verbindung, die diese Bratsche gerade für Musiker interessant macht, die ein handliches historisches Instrument mit viel klanglicher Qualität suchen.
Auch optisch hat sie einen schönen, eigenständigen Charakter. Der warme, goldbraune Lack, die lebendige Holzzeichnung des Bodens und die ausdrucksvoll gearbeitete Schnecke ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Mir gefällt besonders, dass sie trotz ihrer über 200-jährigen Geschichte so gut erhalten ist und zugleich die natürliche Ausstrahlung eines alten Instruments besitzt.
Klanglich überzeugt sie vor allem durch die Verbindung von Kraft, Wärme und hervorragender Projektion. Der Ton hat viel Körper und eine schöne Resonanz, bleibt dabei aber klar und präsent. Es ist ein voller Bratschenklang mit Substanz, der nicht nur unmittelbar unter dem Ohr wirkt, sondern auch in die Entfernung sehr gut trägt. Besonders schön ist, dass diese Tragfähigkeit nicht auf Kosten der Wärme geht. Die Bratsche besitzt eine charaktervolle, farbenreiche Stimme, die viel Raum für musikalischen Ausdruck lässt.
Ebenso überzeugend ist die leichte, direkte Ansprache. Das Instrument reagiert unmittelbar auf den Bogen und lässt sich ausgesprochen angenehm spielen. Man muss nicht mit viel Kraft arbeiten, um einen tragfähigen Ton zu entwickeln. Für mich ist das eine wichtige Qualität: Ein gutes Instrument sollte den Spieler unterstützen und ihm ermöglichen, sich auf die Musik zu konzentrieren, statt ständig um den Klang arbeiten zu müssen.
Mit 40,3 cm Korpuslänge ist diese Bratsche deshalb besonders interessant. Wer bewusst nach einem Instrument in dieser Größe sucht, findet hier eine sehr gelungene Verbindung aus angenehmer Handhabung und klanglichem Volumen. Ihre handliche Größe bedeutet in diesem Fall keineswegs einen kleinen Klang.
Henry Lockey Hill (1774–1835) gehörte zu den bedeutenden Londoner Geigenbauern seiner Zeit und entstammte der traditionsreichen Familie Hill. Er arbeitete unter anderem für John Betts, dessen Werkstatt damals zu den führenden Adressen des englischen Geigenbaus zählte. Einige der besonders qualitätvollen Instrumente aus diesem Umfeld werden seiner Hand zugeschrieben.
In seinen Arbeiten orientierte sich Hill häufig an Stradivari, entwickelte daraus aber eine persönliche Handschrift. Seine elegante Ausführung und die Qualität seiner Lacke werden besonders geschätzt. Er steht damit für eine anspruchsvolle Richtung des Londoner Geigenbaus im frühen 19. Jahrhundert. Sein Sohn William Ebsworth Hill begründete später das berühmte Haus W. E. Hill & Sons.
Für mich ist diese Bratsche eine klare Empfehlung. Der hervorragende Zustand ist ein großer Pluspunkt, aber entscheidend sind letztlich ihr Klang und das angenehme Spielgefühl. Wer eine historische Bratsche um 40 cm sucht und dabei Wert auf Kraft, Wärme, leichte Ansprache und sehr gute Projektion legt, sollte dieses Instrument unbedingt ausprobieren.

