Französisches Cello, Mirecourt, um 1820
Dieses französische Cello entstand um 1820 in Mirecourt und ist ein besonders schönes Beispiel für den frühen französischen Instrumentenbau des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist nicht nur sein sehr guter, kraftvoller Klang, sondern vor allem der außergewöhnliche Erhaltungszustand: Für ein rund 200 Jahre altes Instrument befindet sich dieses Cello in einem absoluten Top-Zustand.
Mirecourt blickte bereits zu dieser Zeit auf eine jahrhundertelange Tradition im Bau von Streichinstrumenten zurück. Seit dem frühen 17. Jahrhundert sind dort Geigenbauer nachweisbar, 1732 erhielt das Handwerk eine eigene Zunftordnung. Um 1820 befand sich die französische Schule in einer bedeutenden Entwicklungsphase: Mirecourter Geigenbauer studierten italienische und deutsche Vorbilder, sammelten Erfahrungen in Paris und brachten ihre Kenntnisse anschließend in die Heimat zurück. Gleichzeitig entstanden größere, arbeitsteilig organisierte Werkstätten, während die eigentlichen Manufakturen erst einige Jahrzehnte später an Bedeutung gewannen. Instrumente aus dieser frühen Phase verbinden daher häufig traditionelle Handarbeit mit der klaren, funktionalen Formensprache, für die Mirecourt später berühmt wurde.
Das Cello besitzt ein großzügiges und sehr harmonisch proportioniertes Modell. Die weich gerundeten Oberbügel, die offenen Mittelbügel und der breite, kraftvoll auslaufende Unterbug ergeben eine ausgewogene und zugleich stattliche Silhouette. Die Ecken sind klar und elegant gearbeitet, ohne übermäßig scharf oder manieriert zu wirken. Besonders charakteristisch sind die langen, aufrecht stehenden F-Löcher mit ihren weit geöffneten unteren Augen. Sie verleihen der Decke ein ausdrucksstarkes und unverwechselbares Gesicht.
Die Fichtendecke zeigt einen gleichmäßig und überwiegend fein verlaufenden Jahrringaufbau. Der warme, goldorangefarbene Lack lässt die Struktur des Holzes sehr schön erkennen. Auf der Decke haben sich im Laufe der Zeit feine dunklere Spuren und natürliche Gebrauchspatina gebildet, die dem Instrument historischen Charakter verleihen, ohne seinen außerordentlich gepflegten Gesamteindruck zu beeinträchtigen.
Der zweiteilige Ahornboden ist mit einer feinen, regelmäßig horizontal verlaufenden Flammung ausgestattet. Besonders im unteren Bereich tritt diese lebendig hervor und verleiht dem Instrument eine elegante, ruhige Tiefe. Auch die Zargen bestehen aus schön geflammtem Ahorn und fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Der transparente Lack bewegt sich zwischen hellem Gold, warmem Bernstein und einem dezenten Orangebraun und bringt die natürliche Struktur des Holzes sehr schön zur Geltung.
Die sauber gearbeitete Schnecke besitzt eine klare, ausgewogene Volute und folgt derselben geradlinigen handwerklichen Auffassung wie der Korpus. Kanten, Einlage, Ecken und Konturen sind ungewöhnlich frisch erhalten. Gerade Boden und Zargen zeigen nur sehr geringe Alters- und Gebrauchsspuren. Der Erhaltungszustand darf daher ohne Übertreibung als außergewöhnlich und absolut erstklassig bezeichnet werden. Ein Mirecourter Cello aus dieser frühen Zeit in einer derart vollständigen und gepflegten Erscheinung ist nicht selbstverständlich.
Klanglich überzeugt das Instrument mit einem sehr guten, kräftigen und tragfähigen Ton. Es besitzt viel Substanz und genügend Volumen, um sich klar und präsent im Raum zu entfalten. Die reich ausgeprägten Obertöne verleihen dem Klang Brillanz, Farbe und Lebendigkeit, ohne ihn hart oder oberflächlich wirken zu lassen. Der Ton hat einen festen Kern und verbindet Kraft mit einer schönen klanglichen Offenheit.
Besonders reizvoll ist die Verbindung aus der klaren, direkten Ansprache eines guten französischen Cellos und der klanglichen Reife eines rund zwei Jahrhunderte alten Instruments. Der Ton wirkt erwachsen, präsent und obertonreich und bietet damit sehr gute Voraussetzungen sowohl für das solistische Spiel als auch für Kammermusik und Orchester.
Ein außergewöhnlich gut erhaltenes historisches Cello aus der traditionsreichen Geigenbaustadt Mirecourt – klanglich kraftvoll und farbenreich, optisch von großer Eleganz und für sein Alter in einem geradezu beeindruckenden Top-Zustand.