Das Instrument wurde um 1850 von Francesco Maurizi in Appignano gebaut und ist ein schönes Beispiel für den regional geprägten italienischen Geigenbau der Marken im 19. Jahrhundert.
Francesco Maurizi wurde 1816 in der Nähe von Ascoli Piceno geboren und arbeitete ab etwa 1840 als Geigenbauer in Appignano del Tronto. Seine Instrumente folgen keiner streng akademischen Schule, sondern zeigen vielmehr eine sehr persönliche und eigenständige Handschrift.
Und genau das kann man auch bei dieser Violine sehr schön erkennen.
Besonders auffällig ist der zweiteilige Boden aus tangential geschnittenem Ahorn, sogenanntem Slab-Cut Maple. Das Holz besitzt eine breite, lebendige und teilweise unregelmäßige Zeichnung, die dem Instrument einen ganz eigenen Charakter verleiht.
Auch der warme, gold- bis dunkelbraune Lack hat über viele Jahrzehnte eine sehr schöne natürliche Patina entwickelt. Zusammen mit der kräftigen Modellierung, den markanten F-Löchern und der charaktervollen Schnecke entsteht ein Instrument, das seine fast zweihundertjährige Geschichte deutlich zeigt.
Die Violine wurde vollständig und fachgerecht restauriert und befindet sich heute wieder in einem sehr guten und vollständig spielbereiten Zustand.
Klanglich ist sie besonders interessant.
Das Instrument besitzt einen großen, kräftigen und sehr präsenten Ton und gleichzeitig eine ausgesprochen leichte Ansprache.
Der Klang entwickelt sich sehr schnell und bereits mit relativ wenig Bogengewicht. Man hat deshalb sofort das Gefühl, dass das Instrument dem Spieler entgegenkommt und nicht erst zum Klingen gezwungen werden muss.
Auch die Artikulation gefällt mir sehr gut. Die einzelnen Töne bleiben klar definiert, schnelle Passagen sprechen sauber an und selbst bei stärkerem Bogendruck behält die Violine ihre Offenheit und klangliche Substanz.
Für mich ist das deshalb nicht einfach nur eine interessante historische italienische Violine.
Es ist vor allem ein Instrument für einen Musiker, der Kraft, direkte Ansprache, gute Projektion und eine klare Artikulation sucht – und gleichzeitig etwas spielen möchte, das eine sehr individuelle geigenbauliche Handschrift besitzt.
Eine seltene und ausgesprochen charaktervolle Arbeit von Francesco Maurizi aus Appignano, entstanden um 1850.