Im Stil der Familie Testore · Pappelboden · Korpuslänge 75,5 cm · Zertifikat H. Köstler, Stuttgart
Dieses außergewöhnliche Mailänder Cello aus der Zeit um 1800 besitzt genau jene unverwechselbare Persönlichkeit, die man mit den charaktervollen Instrumenten der alten Mailänder Schule verbindet. Es ist bewusst rustikal und unmittelbar gearbeitet und steht stilistisch deutlich in der Tradition der Familie Testore. Besonders interessant ist die Provenienz: Zu dem Instrument haben sich zahlreiche ältere Dokumente erhalten, in denen das Cello Paolo Testore zugeschrieben wurde. Heute wird es als Mailänder Arbeit um 1800 angeboten und von einem Zertifikat von H. Köstler, Stuttgart, begleitet.
Schon optisch ist dieses Cello weit entfernt von einer makellos-glatten, akademischen Arbeit. Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil seines Reizes. Die leicht eigenwillige, kraftvolle Formgebung, die markanten F-Löcher und die kräftig modellierte Schnecke verleihen ihm einen unverwechselbaren italienischen Charakter. Der über viele Generationen gewachsene, warme rötlich-braune Lack zeigt eine ausgeprägte natürliche Patina und zahlreiche Spuren eines langen Musikerlebens. Die Oberfläche besitzt jene Tiefe und Authentizität, die sich bei einem historischen Instrument nicht künstlich reproduzieren lässt.
Besonders charakteristisch ist der Boden aus Pappelholz. Dieses Material findet sich immer wieder bei historischen italienischen Celli und unterstützt hier den ausgesprochen individuellen Gesamteindruck des Instruments. Die eher schlicht wirkende Holzstruktur steht in reizvollem Kontrast zur kraftvollen Modellierung und zu dem lebendigen alten Lack. Mit einer Korpuslänge von 75,5 cm besitzt das Cello zudem ein ideales, sehr ausgewogenes Maß: vollwertig und klanglich groß, gleichzeitig angenehm zu handhaben und ausgesprochen komfortabel zu spielen.
Klanglich gehört dieses Cello für uns zu den besonders beeindruckenden historischen Instrumenten. Sein Ton besitzt eine außergewöhnliche Tiefe, enorme Farbigkeit und zugleich große Kraft. Bereits bei geringer Anstrengung spricht das Instrument unmittelbar an und vermittelt dem Spieler das Gefühl, dass der Klang beinahe von selbst entsteht. Der Bass ist tief und substanzreich, ohne schwerfällig zu werden, während die oberen Register offen, farbenreich und tragfähig bleiben.
Besonders faszinierend ist die Bandbreite an Klangfarben. Das Cello kann dunkel, erdig und intim klingen, im nächsten Moment jedoch leuchtend, präsent und ausgesprochen kraftvoll werden. Es besitzt jene komplexen Obertöne und dieses besondere italienische Timbre, das man sich von einem historischen Mailänder Cello dieser Klasse verspricht. Dabei bewahrt es über alle Register hinweg eine ausgesprochen natürliche Ansprache und lässt sich sehr leicht modulieren.
Es handelt sich nicht um ein Instrument, dessen Qualität sich allein durch Lautstärke definiert. Vielmehr verbindet es Tiefe, Kraft, Wärme und eine außergewöhnlich breite Farbpalette. Gerade diese Kombination macht es sowohl für anspruchsvolle Solisten als auch für Musiker interessant, die ein wirklich charaktervolles historisches Cello suchen.
Ein hochindividuelles Mailänder Cello um 1800, das seine lange Geschichte offen zeigt und gerade dadurch eine außergewöhnliche Präsenz besitzt – mit bedeutender historischer Dokumentation, idealen Maßen und einem Klang, der in Tiefe, Farbenreichtum und italienischem Charakter auf einem außergewöhnlichen Niveau liegt.
