Paul Joseph Bailly (1844–1907) arbeitete nach seiner Ausbildung bei Jules Gaillard zunächst bei Nicolas François Vuillaume in Brüssel und anschließend mehrere Jahre im berühmten Pariser Atelier von Jean-Baptiste Vuillaume. Nach einer ausführlichen biografischen Quelle verließ er Vuillaumes Atelier Ende 1868; 1869 wurde er zum Geigenbauer der Musikakademie in Douai ernannt. Ein Instrument von 1869 gehört damit tatsächlich in seine früheste selbstständige Phase und steht noch unmittelbar unter dem Eindruck seiner Vuillaume-Zeit. Auch Baillys größere Cellomodelle und die hohe klangliche Qualität seiner Instrumente werden in der Fachliteratur ausdrücklich erwähnt. (Musée de Mirecourt)
Dieses bemerkenswerte Violoncello von Paul Bailly aus dem Jahr 1869 ist ein besonders interessantes Frühwerk eines der bedeutenden französischen Geigenbauer seiner Generation. Es entstand unmittelbar nach Baillys mehrjähriger Tätigkeit im Atelier von Jean-Baptiste Vuillaume in Paris und gehört damit zu jener frühen Schaffensperiode, in der der Einfluss dieser bedeutenden Werkstatt noch besonders unmittelbar spürbar ist.
Bailly hatte zuvor bei Jules Gaillard sowie bei Nicolas François Vuillaume gearbeitet, bevor er in das Pariser Atelier von Jean-Baptiste Vuillaume wechselte. Die dort erworbene handwerkliche Präzision und die intensive Beschäftigung mit den großen klassischen italienischen Modellen sollten seine weitere Arbeit nachhaltig prägen.
Das Cello besitzt eine kraftvolle und zugleich elegante Erscheinung. Der warme orange- bis rötlichbraune Lack, die schön gezeichnetten Ahornpartien und die charaktervolle Schnecke verleihen dem Instrument eine ausgesprochen attraktive und zugleich authentische französische Ausstrahlung. Besonders erfreulich ist der schöne Erhaltungszustand, der bei einem Instrument dieses Alters keineswegs selbstverständlich ist.
Klanglich ist das Cello außergewöhnlich überzeugend. Es besitzt einen großen, offenen und solistischen Ton mit viel Substanz und sehr guter Tragfähigkeit. Der Klang entwickelt sich frei und unmittelbar, bietet ein breites dynamisches Spektrum und behält auch bei kräftigem Spiel seine Qualität und Klarheit.
Besonders reizvoll ist die Verbindung aus Volumen, Projektion und einer kultivierten Klangfarbe. Der Ton besitzt Tiefe und Wärme, bleibt dabei jedoch präsent und fokussiert. Dadurch eignet sich das Instrument besonders für einen Spieler, der einen großen, tragfähigen Klang sucht, ohne auf Farbe und Differenzierungsfähigkeit verzichten zu wollen.
Ein außergewöhnlich interessantes frühes Violoncello von Paul Bailly aus dem Jahr 1869 – entstanden unmittelbar im Anschluss an seine Zeit bei Jean-Baptiste Vuillaume und klanglich ein ausgesprochen eindrucksvolles Instrument mit großem solistischem Potential.