Christian Wilhelm Seidel war ein Sohn und Schüler des Geigenbauers Johann Gottlob Seidel. Seine Instrumente werden für ihre saubere, professionelle Ausführung, das sorgfältig ausgewählte Holz und ihren guten Ton geschätzt. Neben verschiedenen deutschen und italienisch beeinflussten Modellen entwickelte er auch ein eigenes, unverwechselbares Seidel-Modell.
Das vorliegende Instrument besitzt einen attraktiven einteiligen Ahornboden und zeigt mit seiner markanten dreifachen Einlage besonders reizvolle handwerkliche Details. Bemerkenswert ist vor allem die für ihre Entstehungszeit ausgesprochen flache Wölbung. Sie verleiht der Geige ein überraschend modernes Erscheinungsbild und lässt ihre Konstruktion ihrer Zeit beinahe voraus erscheinen.
Klanglich überzeugt die Violine mit einem hellen, klaren und weittragenden Ton. Sie spricht leicht und unmittelbar an und bietet dem Spieler dadurch ein angenehm direktes Spielgefühl. Ihr tragfähiger Klang macht sie zu einem interessanten Instrument sowohl für ambitionierte Musiker als auch für Liebhaber historischer deutscher Geigen.
Trotz ihres hohen Alters befindet sich die Violine in einem sehr guten Zustand. Ein ebenso klangvolles wie optisch charakteristisches Instrument mit besonderer Ausstrahlung und einem schönen Bezug zur bedeutenden Geigenbautradition Markneukirchens.