Diese bemerkenswerte Violine von Pietro Mercolini entstand um 1870 in Ancarano. Mercolini, geboren 1821 in Monteprandone, gehörte zu den interessanten italienischen Geigenbauern des 19. Jahrhunderts und war Schüler beziehungsweise Mitarbeiter von Francesco Maurizi.
Das Instrument befindet sich in einem sehr guten Erhaltungszustand und besitzt eine ausgesprochen attraktive, harmonische Erscheinung. Besonders reizvoll ist der schön geflammte Ahorn des Bodens und der Zargen, der unter dem warmen goldorange bis bernsteinfarbenen Lack sehr lebendig zur Geltung kommt. Die sorgfältige Modellierung, die elegant geschnittenen F-Löcher und die charaktervolle Schnecke verleihen der Geige eine unverwechselbare italienische Ausstrahlung.
Klanglich ist das Instrument besonders überzeugend. Der Ton ist rund, warm und farbenreich und besitzt ein sehr schönes, charakteristisches Timbre. Ein reiches Spektrum an Obertönen gibt dem Klang Tiefe und Lebendigkeit, ohne dass er dabei an Klarheit verliert.
Die Violine verfügt über ausreichend Kraft und Tragfähigkeit, bleibt dabei jedoch stets kultiviert und ausgewogen. Auch bei stärkerer Ansprache bewahrt sie ihre runde Klangqualität und entwickelt keine Härte.
Besonders angenehm ist die leichte und unmittelbare Ansprache. Das Instrument reagiert schnell auf den Bogen und lässt sich mühelos führen. Dadurch lassen sich seine zahlreichen Klangfarben sehr natürlich entwickeln und fein differenzieren.
Eine sehr schöne italienische Violine mit viel Persönlichkeit, einem ausgezeichneten Timbre und einer gelungenen Verbindung aus Wärme, Farbe, Obertonreichtum und Kraft – sowohl klanglich als auch optisch ein ausgesprochen reizvolles Instrument.