Dieses außergewöhnlich schöne Cello wurde 1920 von Johann Heinrich Schult in Lübeck gefertigt und ist ein besonders repräsentatives Beispiel für die hohe Qualität des deutschen Geigenbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Das Instrument ist nach einem klassisch ausgewogenen Modell gearbeitet und zeigt eine sehr sorgfältige, handwerklich souveräne Ausführung. Besonders eindrucksvoll ist der zweiteilige Boden aus regelmäßig und lebhaft geflammtem Ahorn. Die passend ausgewählten, ebenfalls stark geflammten Zargen und der schön gezeichnete Hals ergeben ein harmonisches und ausgesprochen attraktives Gesamtbild.
Der leuchtende rot-orangefarbene Lack besitzt eine warme Tiefe und eine sehr schöne, natürliche Craquelé-Struktur. Seine feine Alterung und die dezenten Gebrauchsspuren verleihen dem Cello eine charaktervolle, authentische Ausstrahlung. Die elegant geschnittenen F-Löcher, die sauber gearbeiteten Ränder und Ecken sowie die sorgfältig ausgeführte Schnecke unterstreichen den hohen handwerklichen Anspruch des Erbauers.
Johann Heinrich Schult zählt zu den angesehenen norddeutschen Geigenbauern seiner Zeit. Er wurde 1866 in Mecklenburg geboren, war Schüler von Otto Schünemann und gründete 1896 seine eigene Werkstatt in der Königstraße in Lübeck. Durch seine außergewöhnliche handwerkliche Qualität erwarb er sich schnell einen hervorragenden Ruf. Im Jahr 1907 wurde er zum Hofgeigenmacher des mecklenburgischen Großherzogs ernannt. Für seine Instrumente erhielt er bedeutende Auszeichnungen in Turin und Schwerin. Besonders geschätzt wurden seine sorgfältige Verarbeitung, die Auswahl hervorragender Tonhölzer und seine hochwertigen Lacke.
Klanglich beeindruckt dieses Cello mit einem großen, offenen und außerordentlich weit tragenden Ton. Seine schöne, weiche Klangfarbe besitzt Wärme und Tiefe, ohne dabei an Klarheit oder Präsenz zu verlieren. Der Klang entfaltet sich gleichmäßig über sämtliche Register und verbindet Kraft und Volumen mit einer angenehm weichen, kultivierten Tongebung.
Dank seiner unmittelbaren Ansprache und der ausgesprochen leichten Spielbarkeit lässt sich das Instrument mühelos führen. Es reagiert sensibel auf feinste Veränderungen des Bogens und ermöglicht sowohl kraftvolles solistisches Spiel als auch eine differenzierte und farbenreiche Gestaltung.
Ein klanglich wie optisch herausragendes Cello eines bedeutenden deutschen Geigenbauers – groß und weit tragend im Ton, zugleich warm, weich und ausgesprochen angenehm zu spielen.