Arnold Otto Schmidt – Cello, Mannheim
Seltene Ruggeri-Kopie · Pappelboden · aus dem Familiennachlass der Familie Schmidt · Korpuslänge 74,5 cm
Ein außergewöhnlich seltenes Cello von Arnold Otto Schmidt, gebaut als fein nachempfundene Ruggeri-Kopie. Schon die Herkunft dieses Instruments ist besonders: Wir konnten das Cello direkt aus dem Familiennachlass der Familie Schmidt erwerben. Cellos dieses Geigenbauers begegnen heute ausgesprochen selten. Auch in den großen öffentlich zugänglichen Auktionsarchiven sind von Arnold Otto Schmidt nur wenige Instrumente dokumentiert – überwiegend Violinen –, was ein erhaltenes Cello dieser Qualität umso interessanter macht.
Arnold Otto Schmidt wurde 1897 in Markneukirchen geboren und entstammte einer Geigenbauerfamilie. Er war Sohn und Schüler des Geigenbauers Anton Otto Schmidt, arbeitete anschließend bei E. W. Geipel in Mannheim und machte sich später dort selbständig. Bereits ab 1917 wird seine Tätigkeit in Mannheim dokumentiert. Eine historische Mannheimer Anzeige aus dem Jahr 1933 bezeichnet ihn ausdrücklich als „Geigenbaumeister Arnold Schmidt“ und seine Werkstatt als „Werkstätte für Kunstgeigenbau“.
Das hier angebotene Cello zeigt sehr schön, dass Schmidt sich bei seinen besseren Arbeiten intensiv mit historischen italienischen Vorbildern auseinandersetzte. Besonders reizvoll ist der Pappelboden, dessen breite, lebendige und unregelmäßige Holzstruktur dem Instrument einen vollkommen anderen Charakter gibt als ein konventionell stark geflammter Ahornboden. Das Holz wirkt ruhig und zugleich äußerst individuell. Die Zargen dagegen zeigen eine attraktive Flammung und bilden zusammen mit dem schön gezeichneten Hals einen wirkungsvollen Kontrast zum Pappelboden.
Die Decke besitzt eine ausgesprochen schöne, gleichmäßige Fichtenstruktur. Der warme rotbraune bis bernsteinfarbene Lack ist über dem gesamten Instrument sehr harmonisch erhalten und zeigt eine natürliche Tiefe, die besonders auf Boden und Zargen hervorragend zur Geltung kommt. Die elegant geschnittenen F-Löcher, die ausgeprägten Ecken und die schmale, sehr ausgewogene Silhouette unterstreichen den Charakter des historischen Ruggeri-Vorbildes. Auch die Schnecke ist kraftvoll und individuell gearbeitet und trägt den warmen dunkelrotbraunen Lack des Instruments.
Eine Besonderheit ist die Korpuslänge von nur 74,5 cm. Damit besitzt das Cello einen vergleichsweise zierlichen und ausgesprochen eleganten Korpus, der dem historischen Vorbild nachempfunden wurde. Entscheidend ist jedoch, dass Schmidt dabei normale spieltechnische Mensuren beibehalten hat. Für den Spieler fühlt sich das Instrument daher nicht wie ein problematisch verkleinertes Cello an. Im Gegenteil: Der etwas kompaktere Korpus macht es ausgesprochen angenehm und bequem zu handhaben, ohne dass man sich hinsichtlich Hals-, Saiten- oder Spielmensur umstellen muss.
Und gerade klanglich überrascht dieses Cello besonders. Trotz des kompakten Korpus gibt es keine wahrnehmbare klangliche Einschränkung. Im Gegenteil: Sein Klang besitzt eine Tiefe, Wärme und Reife, die unmittelbar an ein wesentlich älteres Instrument erinnert. Es klingt erstaunlich wenig nach einem deutschen Cello des 20. Jahrhunderts – vielmehr entsteht beim Spielen der Eindruck eines rund 200 Jahre alten Cellos: dunkel und warm im Fundament, dabei offen, farbenreich und mit jener leicht trockenen, reifen Komplexität, die man mit guten alten italienischen Instrumenten verbindet. Der Pappelboden dürfte dabei zumindest zum ganz eigenen Charakter dieses Cellos beitragen.
Der Ton spricht angenehm direkt an, bleibt aber niemals eindimensional. Besonders überzeugend ist die Verbindung aus Wärme, Tragfähigkeit und einer großen Palette an Klangfarben. Auch bei stärkerem Bogendruck bleibt der Klang kultiviert und öffnet sich, anstatt hart zu werden. Dadurch eignet sich das Instrument gleichermaßen für einen Spieler, der einen großen, charaktervollen Soloklang sucht, wie für Kammermusik und Orchester.
Das Cello befindet sich zudem in einem außergewöhnlich guten, gepflegten Zustand. Gerade in Verbindung mit seiner seltenen Bauform, dem Pappelboden, der Ruggeri-Konzeption und der direkten Provenienz aus dem Familienbesitz ist es für uns eines der interessantesten erhaltenen Instrumente dieses heute wenig bekannten Mannheimer Meisters.

