Französische Violine, um 1870/1880 – für Hamma & Co., Stuttgart, gefertigt
Diese charaktervolle französische Violine entstand vermutlich um 1870/1880 und wurde für das renommierte Stuttgarter Haus Hamma & Co. gefertigt. Sie verbindet die kraftvolle, praxisorientierte Bauweise französischer Werkstätten des späten 19. Jahrhunderts mit der historischen Bedeutung eines der bekanntesten deutschen Handelshäuser für Streichinstrumente.
Die Firma Hamma & Co. wurde 1864 von Fridolin Hamma in Stuttgart gegründet. Hamma galt als ausgewiesener Kenner und Händler hochwertiger Streichinstrumente. Das Unternehmen trat ausdrücklich als „Handlung alter Meisterinstrumente“ auf, ließ aber auch eigene Instrumente von verschiedenen erfahrenen Geigenbauern und spezialisierten Werkstätten fertigen. Die vorliegende Geige gehört damit in die frühe und besonders interessante Zeit dieses traditionsreichen Hauses.
Das Instrument besitzt ein großzügig angelegtes und harmonisch proportioniertes Modell. Die weich gerundeten Ober- und Unterbügel stehen in einem schönen Verhältnis zu den offenen Mittelbügeln. Markante, leicht nach außen gezogene Ecken und die lang geschnittenen, ausdrucksstarken F-Löcher verleihen der Decke ein unverwechselbares Gesicht. Die Arbeit wirkt nicht übermäßig fein oder akademisch, sondern direkt, kräftig und auf eine gute klangliche Funktion ausgerichtet.
Die Fichtendecke zeigt einen überwiegend geraden, mittelbreiten Jahrringverlauf. Besonders reizvoll ist der einteilige Ahornboden mit seiner breiten, horizontal verlaufenden Flammung, die vor allem im unteren Bereich deutlich hervortritt. Auch die Zargen und der Hals bestehen aus schön geflammtem Ahorn. In der Seitenansicht wird die volle, harmonisch verlaufende Wölbung des Korpus sichtbar, die dem Instrument zusätzliche optische Tiefe verleiht.
Der warme Lack bewegt sich zwischen goldenen, orangebraunen und rötlich-braunen Farbtönen. Auf der Decke erscheint er stellenweise dunkler und kräftiger, während Boden und Zargen ihre goldene Grundfarbe deutlicher zeigen. Zahlreiche altersgemäße Spiel- und Gebrauchsspuren sowie natürlich entstandene Lackabnutzungen dokumentieren die lange Geschichte der inzwischen fast 150 Jahre alten Geige. Gerade diese ehrliche Patina verleiht ihr viel Charakter und eine authentische historische Ausstrahlung. Die kompakt und kraftvoll gearbeitete Schnecke fügt sich sehr gut in das insgesamt geradlinige Erscheinungsbild ein.
Klanglich ist diese Geige eine ausgesprochen positive Überraschung. Für ihre Preisregion besitzt sie einen bemerkenswert großen, erwachsenen und kraftvollen Ton. Besonders schön ist die ausgeprägte klangliche Tiefe: Der Ton wirkt nicht nur dunkel, sondern besitzt einen festen Kern, viel Substanz und ein tragfähiges Fundament. Gleichzeitig verfügt die Geige über reichlich Kraft und Energie, sodass sie sich präsent entfalten kann und deutlich größer klingt, als ihr Preis zunächst vermuten lässt.
Ihr besonderer Reiz liegt in der Verbindung aus Tiefe, Volumen und Durchsetzungskraft. Der Klang bleibt dabei charaktervoll und besitzt genügend Farbe, um unterschiedliche musikalische Ausdrucksmöglichkeiten zu bieten. Es handelt sich nicht lediglich um ein lautes Instrument, sondern um eine Geige mit wirklicher klanglicher Substanz und einem überzeugenden, tragenden Ton.
Eine sehr interessante historische französische Violine für Musikerinnen und Musiker, die einen kraftvollen alten Klang, viel Tiefe und ein außergewöhnlich gutes Preis-Klang-Verhältnis suchen. Der Bezug zu Hamma & Co., die charaktervolle Erscheinung und vor allem ihre klanglichen Qualitäten machen sie zu einem Instrument, das in dieser Preisklasse nicht leicht zu finden ist.