Über dieses Instrument
Nicolas Vuillaume, Mirecourt, circa 1850
Diese charaktervolle französische Violine wurde um 1850 in Mirecourt von Nicolas Vuillaume gefertigt und stammt aus einer privaten Sammlung. Das Instrument wird in unserem Auftrag für den Eigentümer angeboten.
Nicolas Vuillaume entstammte der bedeutenden Mirecourter Geigenbauerfamilie Vuillaume und war ein jüngerer Bruder des berühmten Jean-Baptiste Vuillaume. Von 1832 bis 1842 arbeitete er in dessen Pariser Atelier, bevor er nach Mirecourt zurückkehrte und dort seine eigene Produktion fortführte. Seine Arbeit steht damit unmittelbar in Verbindung mit einer der wichtigsten französischen Geigenbautraditionen des 19. Jahrhunderts.
Die Violine zeigt einen sehr ansprechenden, klassischen französischen Charakter. Besonders schön ist der einteilige, fein bis mittelstark geflammte Ahornboden, dessen Figur sich auch in den Zargen wiederfindet. Die Decke besteht aus regelmäßig gewachsener Fichte. Ein warmer, tief rotbrauner bis orangebrauner Lack liegt über einem goldenen Grund und zeigt über die gesamte Oberfläche eine attraktive, natürlich entstandene Patina. Gebrauchsspuren und feine Craquelé-Strukturen verleihen dem Instrument viel Charakter, ohne seinen eleganten Gesamteindruck zu beeinträchtigen.
Auch die Modellierung ist sehr typisch für die französische Arbeit dieser Zeit: klar gezeichnete Umrisse, sauber ausgearbeitete Ränder und Ecken sowie markante, relativ aufrechte F-Löcher. Die Schnecke ist kraftvoll geschnitten und besitzt eine schöne, leicht individuelle Handschrift. Insgesamt wirkt die Geige sehr geschlossen und authentisch, mit einer gelungenen Balance zwischen präziser Arbeit und dem natürlichen Charme eines rund 175 Jahre alten Instruments.
Klanglich überzeugt sie durch eine dunkle, warme und sehr farbenreiche Grundstimme. Besonders reizvoll ist die E-Saite: Sie bleibt trotz der dunkleren Gesamtfärbung klar und strahlend, ohne scharf zu werden. Der Klang wirkt insgesamt rund, schokoladig und satt, besitzt aber gleichzeitig ein feines, lebendiges „Sizzle“, das dem Ton zusätzliche Präsenz und Spannung verleiht.
Die Geige reagiert sehr direkt und schnell auf den Bogen und vermittelt ein ausgesprochen unkompliziertes Spielgefühl. Schon bei wenig Bogengewicht spricht sie unmittelbar an, lässt sich gut formen und bleibt auch bei stärkerer Ansprache offen und beweglich. Dadurch eignet sie sich besonders für Spieler, die einen warmen, charaktervollen Klang suchen, dabei aber nicht auf Klarheit, Reaktionsschnelligkeit und Brillanz verzichten möchten.
Ein sehr interessantes französisches Instrument aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das sowohl durch seine Herkunft aus der Familie Vuillaume als auch durch seine klangliche Persönlichkeit überzeugt.

