François Peccatte – Violinbogen, Mirecourt um 1845
Dieser Violinbogen von François Peccatte, entstanden um 1845 in Mirecourt, besticht durch seine ausdrucksvolle Arbeit und eine besonders schöne Fernambukstange. Das rund ausgearbeitete Holz zeigt eine lebhafte Struktur und einen warmen Farbton; Pierre Guillaume hebt die Schönheit und Seltenheit des verwendeten Holzes in seinem Zertifikat ausdrücklich hervor. Der kräftige, markant geschnittene Kopf trägt die typische Handschrift des Erbauers. Ein klassischer Ebenholzfrosch mit einfachem Perlmuttauge und Neusilbermontierung ergänzt das charaktervolle Erscheinungsbild.
François Peccatte (1821–1855) war der jüngere Bruder von Dominique Peccatte und ein bedeutender Vertreter der französischen Bogenbautradition des 19. Jahrhunderts. Nach seiner Ausbildung im Raum Mirecourt arbeitete er zeitweise bei seinem Bruder in Paris, bevor er 1842 nach Mirecourt zurückkehrte. Der Einfluss Dominiques ist in seinen Arbeiten deutlich erkennbar, insbesondere in den kraftvoll gestalteten Köpfen und der entschiedenen Formgebung.
Seine besondere Qualität offenbart dieser Bogen jedoch beim Spielen. Er entlockt dem Instrument jene vielfältigen, fein abgestuften Klangfarben, die man sich von einem französischen Bogen dieses Namens erhofft. Der Ton gewinnt an Ausdruck, erhält ein reiches Obertonspektrum und lässt sich wunderbar gestalten. Gerade auf einem guten Instrument kann dieser Peccatte zusätzliche klangliche Möglichkeiten erschließen und Qualitäten hörbar machen, die mit einem anderen Bogen im Hintergrund bleiben. Damit ist er auch für solistische Aufgaben eine ausgesprochen reizvolle Wahl: ein Bogen, der nicht nur begleitet, sondern die klangliche Persönlichkeit eines Instruments noch stärker hervortreten lässt.
Eine Besonderheit ist der kleine originale Holzeinsatz im mittleren Bereich der Stange. Dabei handelt es sich nicht um eine nachträgliche Reparatur, sondern um eine bereits bei der Herstellung ausgeführte Einsetzung. Möglicherweise wurde damit eine natürliche Unregelmäßigkeit des Holzes, etwa eine Aststelle, ausgeglichen. Pierre Guillaume bezeichnet diesen Einsatz im Zertifikat ausdrücklich als „pièce originale sans conséquence“, also als originale Einsetzung ohne nachteilige Folgen. Nach seiner ergänzenden Auskunft ist damit auch keine Beeinträchtigung des Wertes oder der Spieleigenschaften verbunden.
Mit 61,2 Gramm bringt der Bogen ein sehr gutes, gesundes Spielgewicht mit. Wer einen etwas leichteren Bogen bevorzugt, kann das Gewicht durch eine leichtere Wicklung noch etwas reduzieren lassen und so den persönlichen Vorlieben anpassen.
Der Bogen wird mit einem Echtheitszertifikat von Pierre Guillaume, Brüssel, vom 14. März 2024 angeboten. Darin bestätigt Guillaume ihn in allen wesentlichen Teilen als authentische Arbeit François Peccattes.